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Stephan Grünewald
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Wähler im Dilemma: Die „unerbittliche“ Kompetenz Stoibers steigert die Attraktivität des Kanzlers.
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Wähler im Dilemma: Die „unerbittliche“ Kompetenz Stoibers steigert die Attraktivität des Kanzlers.

Wenige Tage vor der Bundestagswahl sind die Wähler der Regierungskoalition und der Opposition in einem psychologischen Dilemma, zu dessen Auflösung die aktuelle Parteienwerbung keinen Beitrag leistet: Die Anhänger der Regierungsparteien haben ihre ursprünglichen Erwartungen in den Regierungswechsel vor vier Jahren verloren und wirken fatalistisch und ratlos. Sie wissen nicht, wie die eigentlich notwendigen Reformen realisiert werden sollen, ohne dass ihnen daraus ein persönlicher Nachteil entsteht. Die Anhänger von CDU/CSU und FDP orientieren sich an dem optimistischen Bild eines wiedererstarkten Deutschlands nach dem klaren Muster der „goldenen 80er-Jahre“, aus dem die aktuellen internationalen Entwicklungen ausgeblendet sind. Sie vermissen jedoch eine charismatische Persönlichkeit, die diese klare Richtung verkörpert, vorlebt und die begeistert. Die psychologischen Profile der Spitzenpolitiker werden zum wahlentscheidenden Faktor: Dem sorgenden und warmherzigen „geläuterten Lebemann“ Gerhard Schröder steht der fleißige und fachlich untadelige „gestrenge Oberlehrer“ Edmund Stoiber gegenüber. Der Herausforderer wird von allen Wählern als hochgradig durchsetzungsfähig und kompetent, aber auch als verbissen und "gnadenlos“ erlebt: Er wird respektiert, aber nicht geliebt.

Viele noch unentschlossenen Wähler tendieren zu Schröder, weil sie fürchten, unter einem Regierungschef Stoiber selbst Opfer einer „schmerzhaften Unerbittlichkeit“ des Kandidaten werden zu können.