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Soaps - der emotionale Whirlpool.
Insbesondere bei Jugendlichen sind Soap Operas höchst erfolgreich. Hauptgrund, so zeigen Analysen von rheingold: Sie treffen den Nerv der Vorabend-Verfassung. Der Vorabend markiert einen Übergang zwischen der Pflicht und der Kür des Alltags, der die Jugendlichen oft in ein seelisches Dilemma manövriert. Einerseits verspüren sie, nachdem das Pflichtpensum absolviert ist, im Hinblick auf die Abend-Gestaltung große Erlebnis-Erwartungen. Andererseits fällt es ungeheuer schwer, sich für ein konkretes Freizeitangebot zu entscheiden. Aus Furcht, etwas zu verpassen, scheuen sie feste Verabredungen oder Termine und schieben die Entscheidung für das Abendprogramm erst einmal auf.
Der Vorabend ist daher oft ein abwartender Schwebezustand, der mit unverbindlichen Tätigkeiten ausgefüllt wird: Rumräumen in der Wohnung, Tagträumen, Zeitunglesen, Telefonieren, kleinere Besorgungen machen. Oder eben Soaps gucken.
Soaps versprechen so etwas wie die Quadratur des Kreises. Man verfolgt alles und verpflichtet sich zu nichts. Man steigt ein in ein buntes Gewoge vieler kleiner Dramatisierungs-Wellen. Im Spektrum der Figuren und Handlungsstränge tritt die ganze Lebensfülle auf: Alles wird einmal angetippt, aber nichts wird konsequent durchdekliniert. In dem vertrauten Rahmen der Soaps kann man einerseits eigene bewegende Schicksalsfragen des Alltags im Hinblick auf Liebe, Familie, Schule und Freundschaft behandeln, andererseits erhält man vielfältige Anreize für den Rest des Tages.
Die Soap soll möglichst unverbindlich dahinplätschern. Dramaturgische Stringenz und filmische Perfektion sind daher nicht gefordert. Die Jugendlichen wollen die Verspannungen des Tages wie in einem Whirlpool lösen, um dann befreit und fit in die Abend-Gestaltung einsteigen zu können.



