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Stephan Grünewald
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Jugend und Erotik
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Jugend und Erotik

Die Bedeutung von TV-Erotik für Jugendliche wird überschätzt. So das zentrale Ergebnis der tiefenpsychologischen Studie "Jugendschutz und TV-Erotik", die unser Institut im Auftrag von Premiere durchgeführt hat. An den erregenden Lebensfragen pubertierender Jugendlicher geht TV-Erotik vollkommen vorbei. Sie steht daher, anders als bei den Erwachsenen, nicht im Focus des Interesses. Die Jugendlichen suchen in den Medien nach Lebenshilfe für den Alltag, die erste Liebe, Eifersucht, Probleme mit dem Partner oder in der Gruppe. Soap Operas wie "Verbotene Liebe" oder "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" sowie Magazine wie "Bravo TV" bedienen diese Interessenlage eher als Erotikfilme.

Die Jugendlichen, so zeigt die Studie, übernehmen auch nicht kritiklos die in der TV-Erotik vermittelten Rollenklischees und Lebenshaltungen. Sie grenzen sich vielmehr - wie auch andere Jugend-Generationen vor ihnen - von den Liebes- und Lebensformen der Erwachsenen ab. Trotz beziehungsweise gerade wegen der sexuellen Freizügigkeit in unserer Kultur stehen bei den Jugendlichen heute wieder Treue, Gemeinschaft und strengere Formen der Partnerschaftsmoral höher im Kurs.

Erwachsene hingegen suchen in der TV-Erotik - immer häufiger - kompensatorische Glücksmomente und den (masturbatorischen) Kick, der ihnen im Alltag versagt bleibt. Auch 20 Jahre nach der sexuellen Revolution, so ein weiteres Ergebnis der Studie, hat keine tiefgreifende Auseinandersetzung über die eigene Sexualität stattgefunden. Die Angst vor der eigenen Sexualität und vor der Verletzung des familiären Inzest-Tabus verursachen in den meisten Familien ein gestörtes Sexual-Klima. Die Eltern delegieren oft stillschweigend die Aufklärung der Jugendlichen an die Schule und vor allem an die Medien. Die Medien stehen daher in der Verantwortung. Sie sollten durch jugendgemäße Aufklärungs-Formate Antworten geben, die dem gesamten Spektrum jugendlicher Lebensfragen gerecht werden.