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Griff nach den Sternen
Warum die Menschen Stars und Sternchen bewundern und ihnen zunehmend nacheifern.
Stars verkörpern unsere Träume und Wünsche, die wir im Alltag oft nicht leben können. Weit weg wie die Sterne – unerreichbar und doch so herrlich funkelnd und anlockend, so erleben wir die Reichen und Schönen. So glamourös wie Nicole Kidman, so vermögend wie Paris Hilton, so begehrenswert wie George Cloney – das ist für viele inzwischen ein Lebenstraum.
Natürlich hat es die Bewunderung für die Stars schon beinahe immer gegeben. Greta Gabor, Marlene Dietrich und Fred Astaire wurden ebenfalls angehimmelt. Aber die Haltung gegenüber Stars hat sich im Laufe der Zeit verändert. Waren die Sterne einst unerreichbar, strebte man bald danach einem Star so nahe wie möglich zu kommen, und schließlich selbst so zu werden sie. Es lassen sich daher drei Haltungen gegenüber Stars ausmachen:
1. Bewundern-Wollen: die Anhimmelung gottähnlicher Wesen.
Der Himmel als Stichwort ist hier nicht verkehrt: Jahrzehntelang wähnte man echte Stars gar nicht aus Fleisch und Blut. Für die Normalbevölkerung waren sie in der Tat nicht zum anfassen, sondern ausschließlich am Himmel zu bestaunen - aus unermesslich weiter Ferne. Ihre Inszenierungen waren gottähnlich. Fehler, Makel oder menschliche Züge konnte man in aller Regel nicht ausmachen. Sie bildeten einen Gegenpol zur Realität und zu dem Leben auf Erden. Stars hatten wenig Einfluss auf den Alltag oder den Lebensentwurf der Menschen. In Filmen und auf aufwendig inszenierten Fotos spendeten sie Trost und Ablenkung – ganz ähnlich wie dies auch für manch einen der Gottesdienst tut. Die Menschen waren mit existentielleren Dingen beschäftigt, als darüber nachzudenken, ob man ebenfalls ein Star werden kann. Auch heute gibt es noch eine Reihe von Menschen, die den Wert in Stars vor allem darin sehen, sich ab und an etwas wirklich schönes anzusehen und sich vom grauen Alltag ablenken zu lassen. Diese Menschen suchen perfekte Stars – sie möchten von gescheiterten Ehen, Liftings oder Problemen nichts hören. Für sie leben Stars in anderen Welten – und dort am Himmelszelt dürfen sie auch bleiben. Generell finden sich aber häufiger andere Umgangsformen mit Berühmtheiten.
2. Haben-Wollen: Greifbare Halbgötter auf Erden.
Mit den Beatles sind die Sterne auf die Erde gekommen – sie wurden nicht mehr nur bewundert, sondern begehrt. Die Phase des ‚Haben-Wollens’ rund um die Berühmtheiten begann – und hält sich bis heute an. Viele wollen sich eine Berühmtheit oder einen Millionär ‚angeln’ bzw. von einem solchen auserwählt werden. Bis zur Ohnmacht schreiende Groupies mühen sich heute – eher bei Tokio Hotel – wie damals darum, von einem der Halbgötter erhört zu werden. Sie wollen mitgenommen werden in eine andere Welt, in der sie teilhaben am Glanz der Sterne. Die Stars werden aber auch umgekehrt stärker Teil des Alltags, bestimmen nicht nur wie man sich kleidet, welche Musik man hört – sondern man sieht an ihnen auch, wie man die eigenen Probleme lösen kann. Bei den heutige Stars möchte man sehen, dass sie mit ähnlichen Konflikten zu tun haben, wie man selbst – ob in punkto Beziehung, Drogen, Selbstbewusstsein oder Schönheitsfehlern. An ihnen will man lernen, wie man das Beste aus sich herausholen kann, wie man auch als unperfekter Mensch etwas werden kann und über sich hinaus wächst. Die Götter aus alten Zeiten menscheln – und gerade dafür werden sie geliebt. Ihre Fehler machen die Stars nicht einfach angreifbarerer, sondern auch greifbarer und somit relevanter für den Alltag.
3. Berühmt-Werden-Wollen: ‚Star’ als Berufsziel
Nicht nur das Partizipieren an glanzvollen Welten erhofft man sich von den Stars. Auffällig häufig wird über sie auch gelästert. Erstaunlich, wie detailgenau sich die allermeisten auch in den Lebensgeschichten der ‚Unsympathischen’ auskennen. Viele möchten die Sterne endgültig vom Himmel holen. Schadenfreude über kleine Fehler und Fehltritte der Promis verrät nicht selten den Wunsch, selbst berühmt werden zu wollen. Immer mehr junge Menschen vergleichen sich ganz direkt mit den Promis und finden, dass es keinen Grund gibt, selbst nicht auch dazu zu gehören. Den allermeisten rückt Dieter Bohlen den Kopf zurecht, aber das ändert nichts an ihrem Wunsch, selbst ins Paralleluniversum zu gelangen. Seit Ende der 90er Jahre glauben die Menschen am ehesten sich selbst finden zu können, wenn sie auf der Bühne oder im Rampenlicht stehen. Hier such sie nach Erlebnisse und Emotionen, die sie in der realen Welt vermissen: sie kennen keine wirklich existentiellen Anforderungen mehr und hoffen auf der Bühne endlich an ihre Grenze zu gelangen.
Der Griff nach den Sternen – durch jeden Dahergelaufenen – führt jedoch letztlich einem sich wandelnden Bild von Stars. Interessant sind nicht diejenigen, die es einfach über Nacht und per Zufall geschafft haben – sondern diejenigen, die es sich wirklich erarbeitet haben – die neben menschlichen Zügen auch etwas Übermenschliches an sich haben.



