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- Der rationale Charme der Verschwörung
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Das wird keine Liebeswahl !
Keiner der Top-Kandidaten erfüllt das Anforderungsprofil
Die Wahl des Oberbürgermeisters wird für die Kölner Bürger keine Liebeswahl werden, denn keiner der beiden Top-Kandidaten erfüllt das kölsche Anforderungsprofil an das höchste Amt der Stadt. Die Kölner erwarten von ihrem obersten Repräsentanten, dass er die besondere kölsche Eigenart repräsentiert, vorlebt und durch seine ganze Person verkörpert.
Das ist keine leichte Aufgabe, da das kölsche Wesen zwei beinahe unvereinbare Seiten umfasst: Einerseits will sie ein ungezwungenes und gemütliches Leben. Der Oberbürgermeister muss daher als Person den Eindruck erwecken, dass die kölsche Lebenslust auch unter seiner Regierungszeit gepflegt wird.
Andererseits sehnen sich die Kölner aber auch nach städtischer Größe, Bedeutung und Macht. Der Oberbürgermeister soll daher auch eine stattliche und vorzeigbare Figur sein.
Der Oberbürgermeister muss also - psychologisch betrachtet - eine Doppelfunktion erfüllen: Er soll gleichzeitig ein nahbarer, volkstümlicher Kölner sein, einer von uns, aber auch eine staatstragende Respektperson, zu der man aufschauen kann. Der ideale Oberbürgermeister hat daher eine joviale Tünnes-Seite, aber er ist gleichzeitig auch der fleischgewordene Dom, der alle und alles überragt.
Vor allem Norbert Burger füllte die Gestalt des idealen Bürgermeister kongenial aus. Er war wirklich halb Bürger und halb feste Burg von Köln, er war Karnevalist und staatsmännicher Patron, lebenslustig und bedeutungsschwer.
Die aktuellen Spitzenkandidaten erfüllen dagegen das Anforderungsprofil nur halb oder gar nicht. Schramma verkörpert zwar die volkstümliche Seite, hat ein kölsches Naturell, aber ihm fehlt die präsidiale Majestätik, die beeindruckende Dom-Statur.
Er packt zwar viele Themen an, hat aber kein eigenes Selbstbild. Anke Brunn strahlt zwar vielleicht eine höhere Vertrauenswürdigkeit aus, aber sie verkörpert keine kölsche Volkstümlichkeit. Als Frau hat sie es überdies schwer, sich in die männliche Domäne der Dom-Verkörperungen zu integrieren.
Egal, wer die Wahl letztendlich gewinnt, ein kölscher Herzenskandidat wird nicht das Amt antreten. Das bislang sehr innige Verhältnis der Kölner zu "ihrem" Oberbürgermeister muss erst erarbeitet werden. Auf Bürger und Meister wartet daher nach der Wahl eine doppelte Herausforderung.
Der Oberbürgermeister muss in die Doppelfunktion ansatzweise hereinwachsen. Die Kölner Bürger müssen ihm oder ihr entgegenkommen und sich mit einem noch ungewohntem städtischen Vorbild arrangieren.
Kölner Psychologe nahm Kandidaten und Wähler unter die Lupe
Der Kölner an sich - wie tickt der eigentlich? Karneval, Kölsch und Kirche, Fußball und Frittenbüdchen, Rhein und Ringfest - die Kölner Seele hat viele Nischen. Im zweiten Teil unserer Serie "Köln auf die Couch" analysiert der Psychologe Stephan Grünewald von renommierten Kölner Institut "rheingold" das Verhältnis der beiden Top-Kandidaten der OB-Wahl, Anke Brunn (SPD) und Fritz Schramma (CDU), zu den Wählern. "rheingold" wurde 1987 gegründet. Dort erforschen 40 Psychologinnen und Psychologen den kölschen Alltag.



