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Bundestagswahl 98 : Die Wähler fühlen sich im Stich gelassen
Wieso läßt der Wahlkampf die Wähler kalt?
In der Seele der Wähler tobt ein Konflikt. Vor der Jahrtausendwende sind sie hin- und hergerissen zwischen einer Angst vor Veränderung und einer Sehnsucht nach Veränderung. Ihre Angst vor Veränderungen begünstigt einen Trend zur Besitzstandswahrung sowie ein desinteressiertes Abwenden von der Politik. Man will gar nicht so genau hingucken, was die Zukunft bringt. Die Sehnsucht nach Veränderung äußert sich in dem Wunsch nach neuem Lebens-Sinn und klaren Botschaften. Die Wähler wollen Antworten auf ihre Jahrtausend-Fragen: Wie sieht mein Leben im neuen Jahrtausend aus? Wofür lohnt es sich, zu arbeiten und Opfer zu bringen? Was ist der Sinn und das Ziel unseres Gemeinwesens?
Die Wähler brauchen die Politiker an der Schwelle zum Jahrtausend wie selten zuvor. Sie erwarten Orientierung und Führung. Sie fühlen sich angesichts dieser Erwartungen von ihren Politikern im Stich gelassen. Auf ihre Jahrtausend-Fragen bekommen sie keine Jahrtausend-Antworten.
Statt klarerer Inhalte, Sinn-Botschaften und Lebensrezepte finden sie im Wahlkampf ''98 nur vage Versprechungen und Abstraktionen. Themen wie die Steuerreform verfehlen den Lebensnerv der Wähler.
Die Wähler finden bei ihren Parteien noch nicht mal klare Positionen und Ausrichtungen, für die man eintreten und streiten kann. Die Parteien werden austauschbar, die Wahl avanciert zur "Geschmacksfrage" bzw. zur bloßen "Pflichtübung".
Die Wähler vermissen klare Richtungsbestimmungen und Handlungsanweisungen, die es ermöglichen, aus ihren kränkenden Ohnmachtsgefühlen gegenüber einer unüberschaubar gewordenen Welt herauszukommen.
Das auffällige Desinteresse der Wähler am Wahlkampf ist Ausdruck einer großen Enttäuschung über die Politiker. Die zentralen Wünsche nach neuem Sinn, klarer Position und Möglichkeit der Mitwirkung werden von den Politikern nicht aufgegriffen.
Das Fehlen einer politischen Vision und klarer Positionen für das neue Jahrtausend bestärkt die Angst der Wähler vor Veränderungen und forciert ihre Tendenzen zur Besitzstandswahrung. Die Wähler koppeln sich - mit unterschwelligen Schuldgefühlen - noch stärker von der Politik ab und ziehen sich in überschaubare private Eigenwelten zurück. Sie suchen jenseits der Politik - bei Gestalten wie Diana oder Guildo - nach einer Botschaft und einem Lebenssinn. Sie befriedigen ihren Wunsch nach klaren Positionen und Parteinahmen nur noch in der Formel 1, im Fußball oder in der Börse.
(Eine ausführliche Ergebnis-Darstellung der rheingold-Studie finden Sie in unserer Presserklärung ''Wahlkampf ''98 erreicht die Bürger nicht''.)



