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Bruces enttäuschte Prinzessinnen - Von der Sehnsucht nach wahrer Schönheit
Die Idee war gar nicht schlecht. Bruce startete für viele Frauen mit einem gigantischen Versprechen: der Mann, der die schönsten Frauen der Welt coacht, kümmert sich nun um die normal Sterblichen. Ein Hauch Topmodel für jeden, kombiniert mit dem faszinierenden Angebot, auch die inneren Werte der Frauen in den Blick zu rücken. Denn das wirklich schöne einer Frau sei ja nun mal ihr Wesen.
Wenn Bruce von Charakter spricht, meint er damit nicht - wie viele andere - dass eine Frau hässlich ist. Nein, als Homosexueller kann er auch einer schönen Frau Charakter zuschreiben und – so die Hoffnung - aus einer hässlichen eine schöne machen. Indem er die ‚Oberfläche’ auf Hochglanz poliert und gleichzeitig die innere Schönheit und Einzigartigkeit der Frau zu Tage fördert.
Ihm haben wir es zugetraut sie hervorzuzaubern, die einzig wahre Schönheit der Frauen, die, die von innen strahlt, dabei aber nicht auf Make up und High Heels verzichten muss. Denn Bruce hat einen anderen Blick als die Männer. Die wollen uns zwar oft aufs Äußere reduzieren, kennen sich aber gleichzeitig weniger damit aus als wir – oder eben Bruce. Er hat Stil, Modeverstand und kennt die Tricks – der Frauen und sogar der Top-Models. Und er steht – im Gegensatz zu den Freundinnen - außer Konkurrenz, d.h. wir glauben ihm, dass uns ein Kleid wirklich steht und er es nicht nur behauptet. Gekrönt wird das Versprechen des Formats mit Sätzen, die die heimlichen Träume eines jeden kleinen Mädchens in uns wieder spiegeln: „Du wirst eine wunderbar (!) Princess sein, Baby!“
Großes Versprechen – knickriges Format
Viel Potential. Was ist also schief gelaufen? Gestützt wurde der Start des Formats mit einer Werbepower, die ihres gleichen sucht und die echte Vorfreude hat aufkommen lassen. Dem Format mangelt es wohl kaum an potentiellen Prinzessinnen, die sich bewerben. Es mangelt an Einschaltquoten. Und das hat seine Gründe:
Wie im Märchen muss die Prinzessin in Sack und Asche gehen und viel Leid durchlaufen, ehe sie glücklich bis an ihr Lebensende sein darf. Den ausgewählten Kandidatinnen bleibt das erspart. Es geht ihnen weder vor noch während der Show schlecht. Sie sind auch nicht wirklich hässlich, dick oder hoffnungslos – sondern im schlimmsten Fall durchschnittlich. Diese Frauen zu stylen und mit ein bisschen Laufstegtraining durch die Sendung zu schleusen ist keine Herausforderung. Dazu brauchen wir Bruce nicht.
Er sollte uns begleiten, auf einem längeren und leidvolleren Entwicklungsweg. Unsere Zweifel und Tränen ebenso bearbeiten wie unsere Cellulites. Aber das Format nimmt sich keine Zeit für die in aller Regel wirklich dramatischen Entwicklungen rund um die weibliche Schönheit. Es versucht schnell und oberflächlich Ergebnisse zu zeigen. Aber da hat es die Rechnung ohne die Frauen gemacht. Sie wollten eine Prinzessin werden – und sehen wie auch noch im hoffnungslosesten Fall eine kleine Prinzessin steckt. Das war das Versprechen mit dem Bruce in den Augen der Frauen angetreten Ist.
Um dieses Versprechen zu halten, muss der Zuschauer viel vertrauter mit den Kandidatinnen gemacht werden. Er muss sie wie ein Next-Topmodel oder einen angehenden Superstar begleiten dürfen, über Wochen und Monate. Er muss die Erfolge mitfeiern können, und das geht nur, wenn es heftige Krisen im Vorfeld und immer wieder während der Show gibt. Schade Bruce – wir wollten wirklich ein modernes Märchen sehen.
Bild: ARD/Marco Grob



