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Big-Brother-Phänomen Zlatko: Sumpfblüte aus dem Container oder Forrest Gump der @ - Generation?
Für die jüngeren Fernsehzuschauer ist Zlatko mehr als die Sumpfblüte aus dem Big-Brother-Container, über dessen fehlende Bildung und skurrile Ansichten man sich trefflich amüsieren kann. Zlatko hat in ihren Augen ein Geheimnis, eine Mischung von Eigenschaften, von der sie sich unbewusst sehr stark angesprochen fühlen. In der Begeisterung - aber auch Ablehnung - äußert sich der Wunsch, den belastenden Perfektionszwängen, Ängsten und dem Anpassungsdruck des Alltags erfolgreich den Mut zu einer eigenen Authentizität und Selbstsicherheit entgegensetzen zu können: Einerseits ist Zlatko der Prototyp des bildungslosen und unkultivierten "Proleten", andererseits konstatieren die Zuschauer ihm eine vielschichtige und attraktive Persönlichkeit. Dieses Spannungsverhältnis ist die Grundlage seines Erfolges.
Eine tiefenpsychologische Untersuchung von rheingold zu der überraschenden Popularität und den Entwicklungspotenzialen des Medienphänomens ergab vier verschiedene Perspektiven, unter denen Zlatko von den Fernsehzuschauern gesehen wird: Zum einen bedient er nahezu vollständig die gängigen Klischees eines "Proleten": Sein Erscheinungsbild, die Tattoos, sein Macho-Gehabe, seine Kleidung, die fehlende Bildung, die Vorliebe für Schlager, sein Beruf als Automechaniker und sein Status als Arbeitsloser ergeben ein Bild des "Voll-Asis an sich", wie eine Probandin fand.
Andererseits überrascht Zlatko alle Befragten immer wieder durch besondere Fähigkeiten, Einsichten und Erkenntnisse: Er spielte Schach, bewies großes kunsthandwerkliches Geschick, erwies sich als geduldiger und sensibler Zuhörer, zeigte Einblicke in einen nahezu fanatischen Sauberkeits- und Körperpflegekult, meisterte umfangreiche Lernaufgaben mit Bravour und produzierte Witz und Charme wie kaum ein anderer. Auch seine Unkenntnis über Shakespeare und sein demonstratives Desinteresse an dieser Ikone der Literaturgeschichte wird von einigen Zuschauern als eine Art Weisheit interpretiert: "Müsste nicht über die Bedeutung dieses Autoren in der heutigen Zeit völlig neu diskutiert werden?"
Aus diesem widersprüchlichen Bild zwischen "tumbem Proll" und "enormem Wissen, ja Weisheit und sensibler Weichheit" ergibt sich das "Zlatko-Rätsel" der Fernsehzuschauer: Wie schafft er es, abseits des gesellschaftlichen Konsens über Wissen und Bildung sich Weisheiten und menschliche Qualitäten anzueignen, die seine Mitbewohner in den Schatten stellen?
Eine dritte Perspektive verstärkt diese Spannung und erhöht die Sympathie: Zlatko erweist sich im Gegensatz zu den Big-Brother-Mitbewohnern als Non-Konformist mit dem Mut, ohne Rücksichtnahme auf mögliche Verluste die Dinge beim Namen zu nennen und zu sagen, was er denkt, was ihm gefällt und was ihn anödet. So bezeichnet er stellvertretend für viele Zuschauer, die das in ihrem Alltag nicht können oder wagen, die Sprache von Shakespeare als unverständliches "Deppengeschwätz" und bekennt sich selbstverständlich dazu, Marius Müller-Westerhagen nicht zu kennen.
Die besondere Attraktivität aus der Sicht der Zuschauer aber ist die besondere Authentizität, die Einzigartigkeit, mit der Zlatko diese Eigenschaften verkörpert: In ihm triumphiert ein gegebenes "Sein" über erworbenes Können und gelerntes Wissen. Während andere durch Arbeit und Leistung zu Erfolg kommen, besteht sein Talent darin, erfolgreich nur er selbst zu sein. Gerade bei leistungsorientierten und in Daseinskämpfe verwickelten Zuschauern wirkt diese Eigenschaft wie ein rotes Tuch und löst heftige Aggressionen aus: "Der kann doch gar nichts, der besitzt doch keine Qualitäten!"
Diese vier Perspektiven verleihen Zlatko Züge, wie sie in der fiktionalen Kinofigur des Forrest Gump zu finden sind. Beide verfolgen konsequent ihre scheinbar naiven Pläne und haben damit ungeahnte Erfolge: Was dem einen sein Shrimps-Geschäft, ist dem anderen die schräge Ode an den verlorenen Freund im Container. Gump wird zum Kriegshelden und Tischtennis-Star und Zlatko könnte für die Angehörigen der dritten Generation von Ausländerkindern zur Integrationsfigur werden.
Die tiefenpsychologischen Analysen von rheingold weisen aus, dass Zlatko beim Publikum zu einer Marke geworden ist, die nicht nur hohe Bekanntheits- und Sympathiewerte, sondern auch enorme Entwicklungspotenziale aufweist. Voraussetzung dafür, dass Zlatko nicht als "one-day-wonder" bald wieder in der Versenkung verschwindet, ist, dass er weiterhin berücksichtigt, was ihn erfolgreich gemacht hat: Der Blick auf die Welt mit einer unverstellten, direkten und deshalb unterhaltenden Direktheit. Zlatko muss "höllisch" aufpassen, dass ihm seine sonst so nützliche Rücksichtslosigkeit nicht gegenüber denen unterläuft, die ihn auf den Schild gehoben haben.



